Gebietsmanagement und Förderung

Managementplanung als Instrument zur Festlegung von Erhaltungsmaßnahmen in den FFH-Gebieten

Wesentliches Ziel der FFH-Richtlinie ist es, für die natürlichen Lebensräume und wildlebenden Tier- und Pflanzenarten den günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder wiederherzustellen. Diesem Ziel dient u. a. die Verpflichtung des Artikels 6, Abs. 1 der FFH-Richtlinie, für die besonderen Schutzgebiete die nötigen Erhaltungsmaßnahmen festzulegen und ggf. eigene Bewirtschaftungspläne für die Gebiete aufzustellen.

Diese Verpflichtung bildet in Verbindung mit den §§ 32 Abs. 3 Satz 3 und Abs. 5 BNatSchG die Grundlage für die Managementplanung zu den FFH-Gebieten. Im Rahmen der Managementplanung werden für jedes einzelne FFH-Gebiete diejenigen Erhaltungsmaßnahmen bestimmt, die erforderlich sind, einen dauerhaft günstigen Erhaltungszustand derjenigen Lebensraumtypen und Arten zu bewahren oder wieder herzustellen, deretwegen das Gebiet Bestandteil von „Natura 2000“ wurde.

Organisation, Umfang, Form und Inhalt der Managementplanung sind in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Thüringen sind Eckpunkte für die FFH-Managementplanung in Punkt 6 des Thüringer Natura 2000-Erlass dargestellt.

  • FFH-Managementplanung in Thüringen

    •  Managementplanung in Thüringen erfolgt nach dem Baukastenprinzip. Für die Waldanteile bzw. die Offenlandanteile eines Gebietes werden jeweils eigene Fachbeiträge erarbeitet, die dann zusammen den Gesamtmanagementplan ergeben.
    • Zuständig für die Erstellung der Fachbeiträge für das Offenland ist die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, (TLUG), zuständig für die Erstellung der Fachbeiträge für den Wald ist die Landesforstanstalt ThüringenForst (siehe Seite   "Ansprechpartner"). Die genannten zuständigen Stellen beauftragen im Regelfall geeignete externe Bearbeiter oder Büros mit der Erstellung der Fachbeiträge.
    • Aus den Managementplänen bzw. den jeweiligen Fachbeiträgen können die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen zur Sicherung der Erhaltungsziele in den Gebieten entnommen werden. Allgemeine Maßnahme- und Nutzungsvorgaben und -empfehlungen für die (Offenland-) Lebensraumtypen und Habitate der Arten der Anhänge I bzw. II der FFH-Richtlinie (siehe Downloadlinks rechts) sind in den Plänen orts- und flächenkonkret angepasst und wurden i. d. R. mit Nutzern und Eigentümern abgestimmt.
    • Welche Erhaltungsziele für ein bestimmtes Gebiet maßgeblich sind, ergibt sich aus den Festsetzungen der Thüringer Natura 2000-Erhaltungsziele-Verordnung (ThürNat2000ErhZVO).
    • Um auch bis zur Fertigstellung umfangreicher Managementpläne über Hinweise zur fachgerechten Behandlung der vorkommenden Lebensraumtypen und Arten zu verfügen, können im Bedarfsfall vorläufige Behandlungskonzepte für die FFH-Gebiete erstellt werden.
    • Managementpläne in Thüringen sind behördenverbindlich. Für Eigentümer und Nutzer haben sie empfehlenden Charakter.

    Der Einbeziehung der Öffentlichkeit, insbesondere der Flächeneigentümer und –nutzer wird große Bedeutung zugemessen.

    Liegen für FFH-Gebiete in Thüringen aktuelle sonstige Naturschutzfachplanungen vor, die die Belange von Natura 2000 und des FFH-Gebietsmanagements ausreichend berücksichtigen, z.B. Planungen im Rahmen von Naturschutzgroßprojekten, werden zunächst keine Managementpläne bzw. Offenland-Fachbeiträge erstellt.

    Kurzfassungen fertiggestellter Managementpläne (Fachbeiträge Offenland) können im Download-Bereich abgerufen werden (zum "Download-Bereich").

  • Umsetzung der Managementplanung, Förderprogramme

    Für Flächeneigentümer und –nutzer sind die Ergebnisse der Managementplanung keine verpflichtenden Handlungsanleitungen. Eigentümer und Nutzer sollen aber freiwillig zur Teilnahme an der Umsetzung der Managementpläne bzw. – allgemein – zu einer Nutzung und Pflege der Gebiete, die an den Erhaltungszielen ausgerichtet ist, gewonnen werden.

    Der durch eine naturschutzgerechte Nutzung oder die Maßnahmendurchführung entstandene Aufwand bzw. Mehraufwand soll dabei nach Möglichkeit durch Mittel aus verschiedenen Förderprogrammen vergütet werden.

    Bereits bei der Erstellung der Managementpläne werden Wege der Umsetzung und einer möglichen Maßnahmenfinanzierung mit den Nutzungsberechtigten abgestimmt. Darüber hinaus beraten für die Offenlandanteile die unteren Naturschutzbehörden, die obere Naturschutzbehörde, das Thüringer Landesverwaltungsamt und ggf. auch die Thüringer Landschaftspflegeverbände bei Fragen der Anwendbarkeit der einzelnen Förderprogramme und geben Hilfe bei der Antragstellung:

    Bei der Umsetzung der FFH-Managementplanung können weitere Planungs- und Umsetzungswege und –instrumente eingebunden werden, u. a. durch

    • Nutzung von regionalen Kompensationsflächenpools,
    • Maßnahmen zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie,
    • Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Rahmen der Eingriffsregelung,
    • Maßnahmen der Flurneuordnung.
  • Prioritätenkonzept für die FFH-Schutzobjekte Thüringens

    Gegenstand des Prioritätenkonzepts sind die in Thüringen vorkommenden Arten und Offenland-LRT der FFH-Richtlinie. Das Konzept legt Prioritäten nach Maßgabe der Bedeutung von Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen für die einzelnen Schutzgüter fest. Es soll sowohl zeitlich als auch räumlich auf die Maßnahmenumsetzung Einfluss nehmen und somit einen Beitrag zur Wahrung oder Wiederherstellung günstiger Erhaltungszustände und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten. Das Konzept ist als Ergänzung zu den einzelgebietsbezogenen FFH-Managementplänen zu verstehen und soll einen schutzgutübergreifenden Vergleich sowie die Abgrenzung von Räumen mit vordringlichem Handlungsbedarf aus übergeordneter, landesweiter Perspektive ermöglichen. Es soll als wichtiges Bewertungskriterium bei der Auswahl von Naturschutzprojekten und bei der Fördermittelvergabe herangezogen werden. Fördermittel sollten künftig gezielt denjenigen Arten und LRT in bestimmten Handlungsschwerpunkten zugutekommen, für die eine besondere Dringlichkeit im Prioritätenkonzept festgestellt wurde. Bei der Umsetzung vor Ort sind selbstverständlich neben dem Prioritätenkonzept weitere Kriterien für vordringlich umzusetzende Maßnahmen heranzuziehen, die sich an den regionalen Erfordernissen und regionalen Umsetzungsstrukturen orientieren.

    Prioritätenkonzept


Beispielfotos für Landschaftspflege

Halboffene Weidelandschaft Crawinkel im Landkreis Gotha
Aufnahme: R. Sollmann, 09/2011
Landschaftspflege: Unterschiedliche Bewirtschaftung (links des Weges Mahd, rechts Beweidung)
Ziel/Ergebnis: Ganzjährige Beweidung führt hier zur erhöhten Arten- und Strukturvielfalt

Halboffene Weidelandschaft Crawinkel im Landkreis Gotha
Aufnahme: R. Sollmann, 07/2011
Landschaftspflege: Vernässung, Rückbau von Drainagen
Ziel/Ergebnis: Schutz der Wiesenbrüter, Rastfläche für Zugvögel, Ausbreitung des Wiesenknopfes für den Hellen und Dunklen Wiesenknopfameisenbläuling

Ökoparzelle bei Großfahner im Landkreis Gotha
Aufnahme: R. Sollmann, 08/2012
Landschaftspflege: Anlegen einer Ökoparzelle (6ha, 5-gliedrige Fruchtfolge innerhalb der Ökoparzelle auf den Kulturstreifen
Ziel/Ergebnis: Entwicklung der Artenvielfalt, Schutz gefährdeter Tierarten wie den Hamster und Rebhühnern bzw. Förderung zur Wiederansiedlung Weitere Informationen zur Ökoparzelle unter: www.stiftung-lebensraum-thueringen.de/inhalt/rebh_oekoparzelle.html

Aufnahme: R. Sollmann, 08/2012
Schutz gefährdeter Tierarten wie den Hamster

Wachholderheiden in der Rhön
Aufnahme: S. Schleip, 11/2004
Landschaftspflege: Biotopeinrichtung mittels Rodung, Verbrennung, Nachbeweidung mit Schafen und Ziegen auf der Grundlage eines Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) und des Naturschutzgroßprojektes (NGP) Rhönhutungen
Ziel/Ergebnis: Erhaltung und Entwicklung des LRT 6210 Kalkmagerrasen und des LRT 5130 Wachholderheiden

Hutewald Kindel
Aufnahme: R. Sollmann, 07/2012
Landschaftspflege: Anlegen von Tümpeln innerhalb einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme
Ziel/Ergebnis: Schutz der Gelbbauchunke und des Kammmolchs durch ganzjährige Beweidung

Rodachaue Grossseggenried
Aufnahme: Dr. Stremke, Herbst 2011
Landschaftspflege: Vernässung durch Anlegen von Tümpeln und Rückbau von Drainagen, ganzjährige Beweidung mit Auerochsenrückzüchtung
Ziel/Ergebnis: Schutz der Zugvögel (>140 Vogelarten im Großsegenried)

Halboffene Weidelandschaft Crawinkel im Landkreis Gotha
Aufnahme: R. Sollmann, 09/2011
Landschaftspflege: Unterschiedliche Bewirtschaftung (links des Weges Mahd, rechts Beweidung)
Ziel/Ergebnis: Ganzjährige Beweidung führt hier zur erhöhten Arten- und Strukturvielfalt

Halboffene Weidelandschaft Crawinkel im Landkreis Gotha
Aufnahme: R. Sollmann, 07/2011
Landschaftspflege: Vernässung, Rückbau von Drainagen
Ziel/Ergebnis: Schutz der Wiesenbrüter, Rastfläche für Zugvögel, Ausbreitung des Wiesenknopfes für den Hellen und Dunklen Wiesenknopfameisenbläuling

Ökoparzelle bei Großfahner im Landkreis Gotha
Aufnahme: R. Sollmann, 08/2012
Landschaftspflege: Anlegen einer Ökoparzelle (6ha, 5-gliedrige Fruchtfolge innerhalb der Ökoparzelle auf den Kulturstreifen
Ziel/Ergebnis: Entwicklung der Artenvielfalt, Schutz gefährdeter Tierarten wie den Hamster und Rebhühnern bzw. Förderung zur Wiederansiedlung Weitere Informationen zur Ökoparzelle unter: www.stiftung-lebensraum-thueringen.de/inhalt/rebh_oekoparzelle.html

Aufnahme: R. Sollmann, 08/2012
Schutz gefährdeter Tierarten wie den Hamster

Wachholderheiden in der Rhön
Aufnahme: S. Schleip, 11/2004
Landschaftspflege: Biotopeinrichtung mittels Rodung, Verbrennung, Nachbeweidung mit Schafen und Ziegen auf der Grundlage eines Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) und des Naturschutzgroßprojektes (NGP) Rhönhutungen
Ziel/Ergebnis: Erhaltung und Entwicklung des LRT 6210 Kalkmagerrasen und des LRT 5130 Wachholderheiden

Hutewald Kindel
Aufnahme: R. Sollmann, 07/2012
Landschaftspflege: Anlegen von Tümpeln innerhalb einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme
Ziel/Ergebnis: Schutz der Gelbbauchunke und des Kammmolchs durch ganzjährige Beweidung

Rodachaue Grossseggenried
Aufnahme: Dr. Stremke, Herbst 2011
Landschaftspflege: Vernässung durch Anlegen von Tümpeln und Rückbau von Drainagen, ganzjährige Beweidung mit Auerochsenrückzüchtung
Ziel/Ergebnis: Schutz der Zugvögel (>140 Vogelarten im Großsegenried)

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