Europäische Vogelschutzrichtlinie

Die Richtlinie über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Richtlinie 79/409/EWG) oder kurz Vogelschutzrichtlinie wurde am 2. April 1979 vom Rat der Europäischen Gemeinschaft erlassen und 30 Jahre nach ihrem Inkrafttreten kodifiziert. Die kodifizierte Fassung (Richtlinie 2009/147/EG) vom 30. November 2009 ist am 15. Februar 2010 in Kraft getreten.

Ziel der aus dem Jahr 1979 stammenden Vogelschutzrichtlinie ist es, sämtliche wild lebenden Vogelarten einschließlich der Zugvögel, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (außer Grönland) heimisch sind, und deren Lebensräume langfristig zu erhalten. Die Richtlinie regelt den langfristigen Schutz dieser Arten, deren Nutzung und deren Bewirtschaftung.

Zur Umsetzung der Richtlinienziele wurden

  • die Ausweisung von Schutzgebieten,
  • Beschränkungen von Jagd und Handel, sowie
  • Beschränkungen der Nutzung der Lebensräume der Vogelarten 

festgeschrieben.

Der genaue Aufbau der Richtlinie ergibt sich aus nachfolgender Tabelle.

  • Übersicht über die Inhalte der Vogelschutzrichtlinie

    Artikel der Vogelschutzrichtlinie
    Art. 1Geltungsbereich der Richtlinie
    Art. 2Ziele und Maßnahmen zur Sicherung der Bestände
    Art. 3Ziele und Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Lebensräume
    Art. 4 Abs. 1Schutzgebietsausweisungen für die Arten des Anhangs I
    Art. 4 Abs. 2Maßnahmen zum Schutz von Zugvogelarten
    Art. 5Verbote / direkte Artenschutzregelungen zum Schutz der Vogelarten
    Art. 6Beschränkungen zum Handel mit Vogelarten
    Art. 7 u. 8Regelungen zur Jagd und zu verbotenen Jagdmethoden
    Art. 9Ausnahmen von Handels- und Jagdeinschränkungen der Art. 5 – 8
    Art. 10Forschungsförderung
    Art. 11Regelungen / Sorgfaltspflicht bei Ansiedlung wildlebender Arten
    Art. 12:Berichtspflichten
    Art. 13:Verschlechterungsverbot für Gebietszustand
    Art. 14:Zulässigkeit strengerer Schutzmaßnahmen
    Art. 15 -17:Änderungsverfahren, Einrichtung eines Ausschusses zur Durchführung
    Anhänge der Vogelschutzrichtlinie
    Anhang I:Vogelarten, auf die besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume anzuwenden sind
    Anhang II.1Jagdbare Vogelarten
    Anhang II.2Jagdbare Vogelarten für bestimmte Mitgliedsstaaten
    Anhang III.1 u. 2Vom grundsätzlichen Handelsverbot ausgenommene Arten
    Anhang IV:Verbotene Jagdmittel, -einrichtungen und -methoden
    Anhang V:Forschungsthemen, denen besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist

    Quellen: BfN (1998), DVL (2010), verändert  


Die Umsetzung der europäischen Vogelschutzrichtlinie ist durch die entsprechenden Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes in der Fassung vom 29. Juli 2009 (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege – BNatSchG) und weiterhin geltende Regelungen des Thüringer Gesetzes für Natur und Landschaft in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. August 2006 realisiert (siehe Unterseite "Umsetzung in Thüringen").


Besondere Schutzgebiete (SPA)

Zu den Verpflichtungen aus der Vogelschutzrichtlinie an die Mitgliedsstaaten gehört u.a. die Auswahl und Meldung der flächen- und zahlenmäßig geeignetsten Gebiete zur Erhaltung der wildlebenden Vogelarten und ihrer Lebensräume an die Europäische Kommission. Diese ausgewählten und gemeldeten „besonderen Schutzgebiete“ (SPA) bilden zusammen mit den nach der FFH-Richtlinie festgesetzten „Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung“ (SCI) das Schutzgebietsnetz Natura 2000.
Mit Artikel 7 der FFH-Richtlinie werden die Verpflichtungen aus Artikel 6 Abs. 2-4 der FFH-Richtlinie auch auf die nach der Vogelschutzrichtlinie zu besonderen Schutzgebieten erklärten Gebiete ausgeweitet (siehe Unterseite "Meldeverfahren, Schutzgebietssystem").

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