Rechtsgrundlagen

Europäische Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie

Rechtliche Grundlage des Netzes Natura 2000 bilden zwei Richtlinien der EU von 1979 und 1992:

  • die „Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten“ in der kodifizierten Fassung der "Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten" („Europäische Vogelschutzrichtlinie“ oder kurz „Vogelschutzrichtlinie“) und
  • die „Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen“ („Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“ oder kurz „FFH-Richtlinie“).

Ziel der Vogelschutzrichtlinie ist der Schutz sämtlicher im Gebiet der EU-Mitgliedsstaaten einheimischen Vogelarten einschließlich der Zugvogelarten. Durch die Richtlinie wird neben dem Schutz auch die Bewirtschaftung und die Nutzung dieser Arten geregelt.
Das wesentliche Ziel der FFH-Richtlinie ist der Erhalt der biologischen Vielfalt auf europäischer Ebene. Dabei haben die aufgrund der FFH-Richtlinie getroffenen Maßnahmen zum Ziel, „…einen günstigen Erhaltungszustand der natürlichen Lebensräume und wildlebenden Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse zu bewahren oder wiederherzustellen.“ (Art. 2 Abs. 2 FFH-Richtlinie).
Zu den Inhalten der beiden Richtlinien sei auf die gesonderten Unterseiten ( "FFH - Richtlinie"; "Europäische Vogelschutzrichtlinie") verwiesen. Links auf die Texte der Richtlinien finden Sie in der rechten Spalte. Für die Vogelschutzrichtlinie liegt auch eine kodifizierte Fassung vor.

  • Wie andere EU-Richtlinien sind die Vogelschutz- und die FFH-Richtlinie an die Mitgliedsstaaten der EU gerichtet und bedürfen einer Umsetzung in die nationalen Gesetze der Mitgliedsstaaten.
    Dies ist in Deutschland zunächst durch Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG), erstmals durch die §19 a bis 19 f in der Fassung des BNatSchG vom 21. September 1998 (BGBl. I S. 2994) geschehen. Die Umsetzung resultierte ferner in Änderungen anderer Bundesgesetze (Baugesetzbuch, Raumordnungsgesetz, Wasserhaushaltsgesetz).
    Auf Ebene der Bundesländer waren Änderungen der jeweiligen Landesnaturschutzgesetze und Anpassungen weiterer Landesgesetze erforderlich. Im Thüringer Landesrecht betraf die Umsetzung v. a. das Thüringer Naturschutzgesetz (ThürNatG), aber auch das Thüringer Landesplanungsgesetz und das Thüringer Waldgesetz (siehe auch Unterseite "Umsetzung in Thüringen").

  • Mit der ab 01.03.2010 gültigen Neufassung des Bundesnaturschutzgesetzes vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 8 des Gesetzes vom 13.Mai 2019 (BGBl. I S. 706) geändert worden ist, gelten die bundesrechtlichen Regelungen des BNatSchG, welche Natura 2000 be­treffen (v. a. in den §§ 31 bis 36 BNatSchG) überwiegend unmittelbar.
    Es finden sich im BNatSchG:

    • in § 7 Abs. 1 Nr. 4 bis 10, und Abs. 2 Nr. 10 bis 12 grundlegende Begriffsdefinitionen zu Natura 2000,
    • in § 32 Abs. 1 Regelungen zur Auswahl und Meldung der Gebiete,
    • in § 32 Abs. 2 - 4 und § 33 Regelungen zum Schutz dieser Gebiete,
    • in § 34 Abs. 1 – 8 Regelungen zur Zulässigkeit von Projekten und zur FFH-Verträglichkeitsprüfung,
    • in § 34 Abs. 6 Regelungen zum Anzeigeverfahren für bestimmte Projekte,
    • in § 34 Abs. 7 Aussagen zum Verhältnis dieser Regelungen zu Schutzgebietsbestimmungen,
    • in § 34 Abs. 8 Aussagen zum Verhältnis dieser Regelungen zu baurechtlichen Vorschriften, sowie
    • in § 36 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 Regelungen für die Verträglichkeitsprüfung für Pläne.

    Diese unmittelbar geltenden bundesrechtlichen Regelungen werden in Thüringen durch die Regelungen des § 16 des Thüringer Naturschutzgesetz (ThürNatG) vom 30. Juli 2019 (GVBl. S. 323), geändert durch Art. 1a des Gesetzes vom 30. Juli 2019 (GVBl. S. 323), ergänzt. Die Regelungen im § 16 des ThürNatG betreffen u.a.

    • die Gebietsauswahl und –meldung (Abs.1),
    • die Ermächtigung der obersten Naturschutzbehörde, für die Natura 2000-Gebiete durch Rechtsverordnung die jeweiligen Schutzobjekte und Erhaltungsziele festzusetzen (Abs. 2),
    • die Verfahrensweise bei der Prüfung der Verträglichkeit eines Projektes (Abs. 3),
    • die Zuständigkeiten für Verfahren nach § 34 Abs. 6 und § 35 Nr. 2 BNatSchG,
    • Festlegungen zum Netz der Natura 2000-Stationen in Thüringen (Abs. 5), sowie
    • Festlegungen zu einem (Landes-) Verzeichnis über durchgeführte Verträglichkeitsprüfungen (Abs. 6).

     Für weitere Informationen siehe auch die Unterseite "Umsetzung in Thüringen".

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